Michael Lingner

Fatale Fehlentwicklungen an Kunsthochschulen* Tendenzen der Selbstabschaffung durch: I. Aufgesetzte Überakademisierung II. Undemokratischen Zentralismus

*Manuskript meiner ungekürzten Verabschiedungsrede in der HfbK-Aula Hamburg am 14.10.2015 mit einer Auswahl anonymisierter und gekürzter Reaktionen

Liebe Hochschulangehörige, werte Gäste,

Mir ist wohl bewusst, dass ich mich mit dem Folgenden nicht unbedingt allseits beliebter mache. Aber wir sind hier ja nicht beim Casting oder in einer anderen Art von Werbeveranstaltung. Insofern möchte ich die Gelegenheit nutzen, auf eine echte Frage ehrlich einzugehen, die in den letzten Wochen und Tagen immer wieder an mich gerichtet worden ist, und die sich natürlich auch mir selber aufdrängt:

„Wie geht es Dir damit, dass Du jetzt an der Kunsthochschule aufhörst, wo Du doch unbedingt immer dort beruflich tätig sein wolltest ?“

Die Nachdrücklichkeit dieser Nachfrage beruht darauf, dass den Fragenden bekannt ist:

- Dass ich dieser Hochschule seit meinem 1968 begonnenen Kunststudium eng verbunden bin;
- wie gerne und engagiert ich meine Lehrtätigkeit dort über Jahrzehnte wahrgenommen habe;
- welchen großen Stellenwert die Kunsthochschule für mein Leben generell besessen hat.

Und alle, die mich noch besser kennen, wissen zudem, dass ich es stets vermeiden wollte in irgendeiner Firma tätig werden zu muüssen, aber letztlich eben auch nicht an einer Universität landen wollte. Das Eine war mir aus jahrelangem Jobben während der Semesterferien, das Andere aus den abgeschlossenen Studien der Philosophie, Soziologie und Kunstgeschichte sowie auch durch spätere dortige Lehraufträge hinreichend bekannt. Dabei war die Überzeugung entstanden, dass die Welt mit wissenschaftlichen Diskursen noch weniger veränderbar sei als mit künstlerischen Werken. So war es mein nie aus dem Auge verlorenes Ziel und letztlich ein ausgesprochener Glücksfall, als ich schließlich an diese Kunsthochschule und dann genau auf eine solche Stelle berufen worden bin, die meinen Neigungen und Vorstellungen ausgesprochen entgegen kam.

Zur Verdeutlichung zitiere ich kurz aus der Stellenausschreibung der ZEIT vom 7.2.1992, auf die ich mich beworben hatte:

„Aufgabe ist die Theoriebildung aus der künstlerischen Praxis heraus. Dabei sollen... philosophische Ästhetik und neuere kunstgeschichtliche Entwicklungen auf die Frage nach der Grundlagen des Künstlerischen und des Gestalterischen bezogen werden.“

Diese Stellenbeschreibung war seinerzeit eine Novität, die auf die Initiative der Fachbereiche Freie Kunst, Kunstpädagogik und Architektur zurückging. Angesichts der damaligen Kunstentwicklung und der damit einhergehenden Auflösung der ehemaligen „Grundklassen“ sah auch die vor allem von Fritz Seitz darin bestärkte Präsidentin Adrienne Goehler für die künstlerische Lehre einen grundlegenden Reformbedarf. Freilich ließ sich die noch unter „voraussichtlich“ ausgeschriebene neue Stelle nur durchsetzen, da die gesamte HfbK damals stark konzeptionell profiliert war. Das beruhte einerseits darauf, dass solche internationalen Protagonisten der Konzeptkunst wie Stanley Brown , Joseph Kosuth oder F.E. Walther und wiederholt auch ähnlich orientierte Gastprofessoren die HfbK prägten. Aber auch der nicht im engeren Sinn dazu gehörige Joseph Beuys versuchte mit dem für seine Düsseldorfer Akademieklasse wie für die gesamte Kunstwelt formulierten Motto: „Wer nicht denken will fliegt raus“, der an den Akademien verbreiteten Machermentalität entgegen zu wirken.

Jedenfalls herrschte an der HfbK damals mehrheitlich die Auffassung, dass die Kunst dringend der Theoriebildung als eines produktiven Faktors für die künstlerische Praxis bedürfe; dass also auch Denken ein Mittel im Sinne eines wesentlichen Werk-Zeuges für die Kunstpraxis zu sein habe und als solches an einer Kunsthochschule eigens zu entwickeln und zu vermitteln sei. Dieser dringend erforderliche spezielle Theorietypus sollte grundlegende Fragen und Problemstellungen bearbeiten, die sich aus der künstlerischen und gestalterischen Praxis selbst stellen, anstatt sich universitär mit irgendwelchen historischen und/oder fachimmanenten, akademischen Themen zu beschäftigen.

I.)

Aus verschiedenen Gründen, für die der Begriff „Postmoderne“ keine unbedeutende Rolle spielte, hatte sich dann jedoch ca. 10 Jahre später der Wind gedreht. Es war und ist zum Mainstream geworden, ein als wissenschaftlich deklariertes Theoretisieren rein rezeptiv für die nachträgliche Interpretation und Legitimation von Kunstwerken und diese auch noch möglichst zur Illustration theoretischer Konstrukte zu benutzen. Diese Tendenz hat sich durch den Generationenwechsel auch an unserer Hochschule gleichsam naturwüchsig durchgesetzt, so dass Theorie und Wissenschaft zunehmend praxisfern als Selbstzweck verstanden und gelehrt werden.

Aber es fragt sich doch, was es einer von der Praxis lebenden Kunsthochschule und vor allem ihren Studierenden bringen soll, hier überwiegend ein Theorieangebot offeriert zu bekommen, als ob sie Kunstgeschichte, Kulturwissenschaft oder Philosophie studierten, ohne diese Professionen je ausüben zu wollen oder zu können ? Und wer das doch anstrebt, warum wäre der an den Universitäten mit ihrem qualifizierteren Angebot nicht besser aufgehoben ? Zur Verschleierung dieses Dilemmas ist inzwischen ein diffuser Begriff von „Kunstforschung“ (=Recherche) eigens erfunden und propagiert worden.

Ohne engen Bezug zu ihrer zunehmend vernachlässigten eigenen künstlerisch-gestalterischen Praxis ist den Studierenden jedenfalls nicht mehr recht klar, wovon sie in ihren schriftlichen BA/MA-Abschlussarbeiten, die eigentlich das theoretische Kerngeschäft an der HfbK ausmachen, schreiben (sollen). Vergleiche mit früheren Staatsexamens- und Diplomarbeiten zeigen deutlich, dass die heutigen Studierenden von ihren Prüfungsarbeiten jedenfalls fachlich weitaus weniger profitieren als ihre Vorgänger. Dass sich dies nicht direkt in den Benotungen niederschlägt, liegt an der wohlbekannten und im Hochschulbereich allseits planmäßig betriebenen Nivellierung und Inflationierung der Leistungsbeurteilung.

Und allemal fragwürdig ist die an der HfbK unter dem zweifelhaften Namen „Dr. phil. in art. (philosophiae in artibus)“ inzwischen grassierende geisteswissenschaftliche Promoviererei. Abgesehen von der generellen Dubiosität des Doktortitels und seines durch viele und prominente Beispiele ramponierten Ansehens wären doch Sinn und Zweck der Möglichkeit seines Erwerbs an einer Kunsthochschule allemal zu hinterfragen. Kann der Kunstbereich durch das Promotionsrecht wirklich eine Aufwertung und KünstlerInnen eine Statusverbesserung erlangen, wo dies doch heute nicht einmal mehr für die Wirtschaft eindeutig gilt ? Und wie sollte sich die Kunst bzw. die Existenz einer Kunsthochschule ausgerechnet am Schopf der Geisteswissenschaften aus dem vermeintlichen Sumpf andauernder (finanz)-politischer Bedrohung ziehen können ? Deutet diese Hoffnung nicht auf zu wenig Selbstvertrauen und Realitätssinn ?

In diesen Zusammenhang gehört allerdings auch, dass ich auf einen gravierenden Irrtum von mir selbst zu sprechen komme: Im Personalverzeichnis der Hochschule haben Sie in meinem Porträt lesen können, dass ich einst maßgeblich an der argumentativen Durchsetzung und Institutionalisierung des Promotionsrechts an der HfbK beteiligt war. Die eigentliche Absicht und sozusagen der Clou waren damals, dass es sinnvoll schien, als Bestandteil einer Dissertation endlich auch künstlerische Arbeiten anerkennen zu können, zumal sie aufgrund ihres ausgesprochen konzeptionellen Charakters oft selbst ohnehin bereits theorieförmig geworden waren. In diesen Zusammenhang passte die von T.W. Adorno aufgeworfene Frage: „Kann Theorie ästhetisch werden ?“ und schien für die Erforschung alternativer Theorieformen wegweisend sein zu können.

Da das Promotionsrecht zunächst allein für die Studierenden der Architektur galt, wo ein starker Praxisbezug gleichsam garantiert war, erschien die ursprüngliche Zielsetzung realistisch zu sein. Und die erst später dann ebenfalls zur Promotion zugelassenen Studierenden der Freien Kunst schienen seinerzeit gegen wissenschaftlich-akademistische Fluchtbewegungen völlig immun zu sein. Insofern machte die damalige Neuerung zwar allemal Sinn, hat sich aber letztlich leider als naiv, d.h. als zu sehr von nicht verallgemeinerungsfähigen Bedingungen abhängig erwiesen. Die Integration künstlerisch-gestalterischer Praxis in eine Dissertation stellt heute jedenfalls bestenfalls eine absolute Ausnahme dar.

Um endlich eine erste Antwort auf meine eingangs gestellte Frage auf den Punkt zu bringen: Für mich geht an dieser Kunsthochschule durch eine aufgesetzte Überakademisierung ihr spezifischer Charakter zunehmend verloren und sie gleicht sich den ohnehin verschulten Universitäten auf fatale Weise an. Diese Einschätzung resultiert nicht nur aus den vorangegangenen Überlegungen, sondern teilt sich auch vor Ort als unmittelbarer Eindruck durch das Fehlen einer besonderen Ausstrahlung und irgendeiner Art von Erinnerungskultur atmosphärisch mit. Jedenfalls gehört „die Kunst als Herzstück der Hochschule“, wie es F.E. Walther in der Aulavorhalle einst plakatiert hatte, zur vergessenen Vergangenheit. Von lebendigem Künstlertum als einem einst pulsierenden Kern der Hochschule ist nicht viel mehr als nur ein papierner Mantel geblieben. Insofern kann ich, trotz aller Verbundenheit mit diesem Haus und seinen Studierenden, bereits jetzt konstatieren, nicht wirklich betrübt zu sein, die Institution zu verlassen.

II.)

Dieses Fazit gilt für mich umso mehr als die erfolgte universitäre Angleichung der Kunsthochschule zu allem Überfluss auch noch mit einer privatwirtschaftlichen Anpassung durch ihre Umstrukturierung zu einer Firma einhergegangen ist. Diese Zwangsverheiratung mit der an sich öffentlich-rechtlich verfassten Institution HfbK war von vornherein verfehlt und ist wohl nur daraus erklärbar, dass die Bildungspolitik zu den am Meisten ideologisch durchseuchten Politikbereichen gehört. Dies führt im krassen Gegensatz zur Starrheit der Steuerpolitik zur Hyperaktivität im Bildungsbereich, wo von allen Parteien unablässig rumgestümpert wird.

Infolge seiner extremen Anfälligkeit für die Verheißungen sog. Modernisierungen ist es so 1998 mit der Vierten Novelle des Hochschulrahmengesetzes zu einer tiefgreifenden Veränderung der Hochschullandschaft gekommen. Sie lag auf der Linie der vor dem Bankencrash seinerzeit noch völlig ungebrochenen Dominanz des Neoliberalismus und seinem Verwirtschaftlichungswahn, der aus allem eine Firma machen wollte und sogar die „Ich-AG“ kreierte. Jedenfalls sind die Studierenden unisono zu Kunden und damit letztlich zu Konsumenten erklärt worden, was indes mit dem humboldtschen Begriff des Studierens unvereinbar ist, aber zur dann erfolgten Erhebung von Studiengebühren umso besser gepasst hat.

Die mit dieser sogenannten Reform einhergehenden erheblichen Machterweiterungen des Präsidentenamtes sowie die damit einhergehende Etablierung eines Hochschulrates haben lt. Wikipedia zu folgenden Funktionsverteilungen geführt: Es sind die „strategischen Kompetenzen und Aufgaben bei dem mehrheitlich mit Hochschulexternen besetzten Hochschulrat, operative bei der Hochschulleitung und legislative bei dem (hochschulinternen) Senat angesiedelt worden“. Dieses Konzept, so weiter Wikipedia, „stammt aus dem Bereich der Privatwirtschaft und lehnt sich in Teilen an Unternehmensstrukturen an.... Den Hochschulen ein am Aufsichtsrat von Aktiengesellschaften orientiertes Kontrollgremium zur Seite zu stellen...wurde von Vertretern der privaten Wirtschaft gefordert; besonders nachdrücklich vom Centrum für Hochschulentwicklung der Bertelsmann-Stiftung...“. Über ihre massive Lobbyarbeit hinaus intervenierte sie aber auch ganz direkt wie etwa durch die Finanzierung von Personal an der HfbK.

Was zunächst nicht weiter dramatisch klingen mag, obwohl diese feindliche Übernahme eigentlich skandalös ist, hat faktisch zu einer weitgehenden Entmachtung der Studentenschaft und des gesamten Lehrkärpers sowie der bis dahin amtierenden Hochschulgremien geführt. Die Autonomie der Hochschule als Institution ist abgelöst worden durch die Ausweitung der Autonomen Entscheidungsbefugnisse der Hochschulleitung. Infolgedessen können die Subjekteder Lehr- und Lernprozesse über ihre originären Belange nicht mehr auf demokratische Weise mit- oder gar selbst bestimmen, wie es zuvor in den fünf selbst verwalteten Fachbereichen der Hochschule selbstverständlich der Fall war.

Ein von der HfbK-Verwaltung jüngst ausgegebenes Organigramm über die „Organisation wichtiger Geschäftsprozesse“ klärt über die tatsächlichen heutigen Entscheidungsbefugnisse objektiv auf:

Bei den sieben dort aufgeführten grundlegenden Geschäftsprozessen gehen im Rahmen der staatlichen Vorgaben alle Vorschläge stets vom Präsidium aus, über welche am Ende dann der Hochschulrat befindet, bei dem allein die Befugnis liegt, die Vorlagen zu „genehmigen“ oder zu „beschließen“. Der im Geschäftsprozess zwischen Präsidium und Hochschulrat angesiedelte Hochschulsenat ist dagegen von vornherein ausschließlich darauf beschränkt, „Stellung zu nehmen“. So liegt es nahe, dass sich im Hochschulsenat überwiegend diejenigen als postdemo-kratisches Feigenblatt versammeln, die sich generell im Konsens mit der Hochschulleitung sehen. Wer sonst würde ohne echte Entscheidungsrechte schon seine Zeit vertun wollen, wenn von vornherein absehbar ist, dass Alternativvorschläge oder gar Opponieren folgenlos bleiben und allenfalls persönliche negative Auswirkungen haben könnten.

Da ich in den letzten Jahrzehnten niemandem von den Hochschulratsmitgliedern je direkt begegnen durfte, kann meine Kritik an deren Machtbefugnis und -ausübung keinesfalls auf die Personen zielen. Aber umso mehr stellt sich die generelle Frage, auf welcher Informationsbasis die Hochschulrats-mitglieder ihre Entscheidungen eigentlich treffen? Auch wenn die Hochschulen wie Firmen sein sollen, bleibt doch der fundamentale Unterschied bestehen, dass sie niemandem als Eigentum gehören. Zudem gibt es für Hochschulen erst recht keine verlässlichen und aussagekräftigen Kennzahlen, nach denen am grünen Tisch sachlich fundiert über ihr Wohl und Wehe zu entscheiden wäre. Zudem fehlt aber vor allem für die qualifizierte Bewertung von Zahlen oder Berichten ein verbindliches Kriterium. Denn während mit den Interessen der Eigentümer und deren Gewinnstreben bei Firmen eine einzige letztlich leitende Zielvorstellung definitiv besteht, steht diese an Kunsthoch-schulen nicht generell fest, sondern ist immer erst neu zu bestimmen. Wie ihre Studierenden auch leben gute Kunsthochschulen nun mal von ihrer Individualität und permanenten Offenheit.

Umso bedenklicher ist es, dass die Hochschulratsmitglieder für ihre abschließend zu treffenden Entscheidungen über keine unmittelbaren Informationen oder gar Erfahrungen des konkreten Lehr- und Hochschulbetriebes verfügen. Ihre Informationen stammen ausschließlich aus zweiter Hand und sind einseitig, da sie alle Unterlagen von jemandem vorgelegt bekommen, der von ihnen bei der Amtsführung und vor allem Amtseinsetzung weitestgehend abhängig ist. Ist es dann ein Wunder, dass bei diesem hierarchischen Procedere bürokratisch, technokratisch und konformistisch gefärbte Entscheidungen des Hochschulrates überwiegen und die Hochschule entsprechend uniformieren? Ein für Kreativität unverzichtbares Klima der Ermöglichung des Unwahrscheinlichen wird so jedenfalls nicht geschaffen.

Am Meisten bedauerlich ist dabei, dass unter diesen Umständen keine freien, intensiven, handlungs-relevanten und alternativreichen Sach- und Fachdiskussionen mit Entscheidungsrechten für die Betroffenen und Verantwortlichen mehr geführt werden. Eine unter den Kollegen und Studierenden erfolgende Verständigung etwa über die Entwicklung und Erprobung neuer Lehrformen und -inhalte ist genauso wenig noch vorgesehen, wie die Diskussion über mögliche Entwicklungsperspektiven der Kunsthochschule in einer sich rasant verändernden Gesellschaft. Auch in dieser Hinsicht wird mir also nach meinem Ausscheiden aus der HfbK nichts fehlen, was ich nicht zuvor auch bereits vermisst habe, aber gerade an einer Kunsthochschule für unabdingbar halte. In diesem Sinn bleibt mir nur, allen Verantwortlichen weniger Eigeninteresse und mehr Mut zu wünschen, um nach 60 Jahren andauernder Verwässerung wieder mehr Demokratie zu wagen.

=>

Es folgt eine Auswahl anonymisierter und gekürzter Reaktionen auf meine Abschiedsrede vom 14.10.2015 und ihre schriftliche Fassung. Dadurch soll die von mir beabsichtigte Diskussion über die Verfassung von Kunsthochschulen am Beispiel der Hamburger Hochschule für bildende Künste angeregt werden.

Die Auswahl gibt typische Reaktionsweisen von unterschiedlichen Personengruppen wieder und ist nicht danach getroffen worden, ob die Meinungen zustimmend oder kritisch waren. Der ausnahmslos positive Tenor der Äußerungen ist bei dem Anlass der Rede sicher nicht überraschend, obwohl die meisten Absender eigentlich nicht nur zu höflichem Wohlwollen, sondern durchaus auch zu offenem Widerspruch neigen.

Bedenklich finde ich allerdings, dass aus dem gesamten Kreis der gut informierten gegenwärtig aktiven Hochschulmitglieder bisher nicht die geringste Widerrede oder zumindest doch Einwände gekommen sind. Alle Mutmaßungen über die Gründe dafür, lassen nichts Gutes ahnen:

-Besteht etwa doch eine weitgehende Übereinstimmung mit meinen Analysen und Bewertungen, was dann allerdings die Fragen aufwirft, wie konnte es so weit kommen und wie soll es weiter gehen ?
-Besteht aus welchen Gründen auch immer kein Interesse an einer sachlichen Auseinandersetzung und niemand ist motiviert, sich durch Gegenargumentation zu exponieren oder zu positionieren ?
-Besteht eine (stillschweigende) Vereinbarung, dass Totschweigen und Tabuisieren als Abart der Solidarisierung die beste Verteidigungstaktik sind ?

In all dem zeigt sich jedenfalls gegenüber den Zuständen an der Hochschule eine deprimierende Indifferenz, in der sich genau das widerspiegelt, was zu den von mir geschilderten Defiziten der HfbK beiträgt.

! => Wer immer mich Lügen strafen will und mit Kritik an meiner Kritik reagiert, wird seinen/ihren Beitrag hier dann ebenfalls wieder finden. => info@ask23.de

Reaktionen:

Mittwoch, 21. Oktober 2015 12:41
...schade dass Sie bei der Semestereröffnung nur eine kurze Sprechzeit hatten bzw. daraus keine Diskussion mehr entstehen konnte. Vor allem dass Sie nun nicht mehr an der Hochschule sind ist sehr bedauerlich. Ich habe eben diesen Artikel zugeschickt bekommen:
http://www.wz-newsline.de/mobile/lokales/duesseldorf/kultur/hat-die-kunstakademie-ausgespielt-1.1868976"http://www.wznewsline.de/mobile/lokales/duesseldorf/kultur/hat-die-kunstakademieausgespielt-1.1868976
Mich interessiert ob sich Ihr Gegenvorschlag zur Überakademisierung mit den Ansichten von Lüpertz deckt und ob wie Sie meinten zu dem Thema noch etwas im Newsletter/Lerchenfeld erscheinen wird?...

22. Oktober 2015 12:10
...meine Erkenntnis aus dem ganzen Dissertationswahnsinn der letzten 10 Jahre, (In Hamburg geht dies vor allem von der HCU aus beginnend mit dem Graduierten Kolleg "Versammlung und Teilhabe" http://www.versammlung-und-teilhabe.de/cms/"http://www.versammlung-und-teilhabe.de/cms/) ,dass der eigentlich interessante und der eine Promotion auf dem künstlerischen Feld vielleicht auch legitimierende Gegenstand dieser Forschung, das zu untersuchende Beobachtungsfeld künstlerischer Dissertationen, das Theorie-Praxis-Verhältnis selbst, in den Promotionsarbeiten weder behandelt noch dargeboten wird...

Freitag, 23. Oktober 2015 12:09
...wir, studenten aus unterschiedlichen klassen, möchten uns gerne noch einmal mit der rede beschäftigen, die sie zu ihrem abschied gehalten hatten, da es uns ein dringendes anliegen ist, uns fortwährend und immer von neuem mit dem thema 'kunst in der institution' auseinanderzusetzen. deswegen wollten wir fragen, ob sie die genannte rede an uns schicken könnten, und würden uns sehr darüber freuen. Meine emailadresse ist...

Sonntag, 25. Oktober 2015 21:11
...Bedauerliche, aber verständliche Neuigkeiten.
Ich kann es nur zu gut verstehen, weil mir ähnliches widerfährt mit der Kulturbehörde bei der Ausführung von...

Sonntag, 1. November 2015 19:41
...Dank für die Abschiedsrede, die für mich sehr aufschlussreich war und auch sofort nachfühlbar. Ich würde mich freuen, wenn es darüber noch einmal ein Gespräch geben könnte, denn es interessiert mich sehr wie das Lehren überhaupt dort jetzt funktioniert und wie die Stimmungen und Erwartungen der Studierenden sich äußern.
Glückwunsch zum klugen Text und zur Klarheit des Gemeinten. Ich glaube, jetzt gibt es eine völlig neue Freiheit und ich freue mich für Dich...

Sonntag, 1. November 2015 14:27
meinen segen hattest du von mir noch in "tateinheit" am "tatort" in der aula erhalten.
nicht verbiegen! mehr geht nicht! machs gut und weiter so!...

Sonntag, 1. November 2015 19:58
...das war mir gar nicht klar, dass dieser Schritt schon so unmittelbar bevor steht bzw. stand. Aber sicher ist es für sie ein kleinerer und erfreulicherer Schritt, als umgekehrt für die Hochschule. Immerhin wartet ihre Familie und ihre Kunst auf Sie. Und angesichts dessen, wie es an der HfbK zur Zeit aussieht, dürfte Sie dort wohl auch nicht viel halten. Umgekehrt, für die Hochschule und die Studierenden, ist es natuürlich ein herber Verlust. Sie werden als Person, als Künstler, Theoretiker und Lehrer nicht zu ersetzen sein...
Dennoch, für Sie persönlich freue mich!

Montag, 2. November 2015 21:21
...Umso bedauerlicher. Was war die HfbK doch für eine tolle "Schule". Keinen Tag möchte ich missen. Oft habe ich daran gedacht Dich anzurufen und die Promotion wieder aufzugreifen.
Wenn ich allerdings Deine Rede lese, war es wohl gut, es nicht getan zu haben...

Montag, 2. November 2015 22:44
Uff! Und wie war die Reaktion der Zuhörer? Höflich-verlegenes auf den Boden gucken mit betretenem Schweigen oder Hört-hört-Rufe?

Montag, 2. November 2015 09:23
...Das Interview mit Lüpertz habe ich nun auch gelesen; die Analyse ist ja wahrlich erschreckend ähnlich. Die zunehmende Verschulung ist zwar sehr traurig, aber warum sollten die Akademien von etwas verschont bleiben, was in den Universitäten auch schon lange Einzug gehalten hat ? Bedauerlich ist es zwar umso mehr, aber ihr seid das doch traditionell ohnehin schon gewohnt, wie Lüpertz am Schluss feststellt. Sehen wir es mal positiv als zyklische Entwicklung; dann schlägt das Pendel nach unserer Zeit vielleicht wieder zurück. Zu viel Gängelei beendet sich doch auf lange Sicht selbst und führt am Ende zur Revolution und der Selbstabschaffung...

Dienstag, 3. November 2015 11:19
...das ist ja wirklich erstaunlich, wie wir uns nach all den Jahren tatsächlich in der Analyse blind verstehen. Wörter schaffen halt Realitäten und ich teile deine bittere Einschätzung sehr.
Und sehr gerne sehe ich dich in Berlin, die Hochschule wird dir natürlich fehlen, bin aber sehr gespannt, was du dir jetzt vornimmst nach einem langen guten intensiven Durchatmen und einen Teil der Papiere wegwerfen, unbedingt...

Dienstag, 3. November 2015 16:32
...vielen Dank für die sehr gute Abschiedsrede, sie trifft in vielem auch auf hiesige Entwicklungen zu. Es ist unglaublich, was aus diesen Institutionen geworden ist, vielfach auch mit der Unterstützung von Leuten, die "kritische" Theorien lehren...

Dienstag, 3. November 2015 17:14
...Sixties are the new thirties!
Auf zu neuen Pfaden.
Nun hast du endlich zeit uns alle zu besuchen!
Singapore calling!!!!
Dir herzlichen Dank fuer Inspiration, Mentorship und unvergessen:
"Grau ist alle Theorie" !
Wir waeren nicht wo wir heute sind ohne dich als Lehrer!!!
Aus der Ferne...

Donnerstag, 5. November 2015 21:11
...Deine Abschiedsrede hat uns... lange gedanklich beschäftigt. So bitter es auch ist, kann man Deinen Einschätzungen über die momentane Situation an unserer HfbK nur zustimmen. Vielleicht ist diese auch nur eine Facette der gesamtgesellschaftlichen (Fehl-) Entwicklung, mit der wir alle konfrontiert werden. Um so mehr ehrt es Dich, dass Du Dich mit Deiner kritischen Reflexion zu der ganzen Angelegenheit nicht zurückgehalten hast...

Donnerstag, 5. November 2015 12:57
...Deine Haltung nötigt Respekt ab; den Widerwärtigkeiten von Zeitströmungen zu trotzen und Fehlentwicklungen offen zu kritisieren ist nicht mehr "in"...

Freitag, 6. November 2015 08:27
...ein kritisches Feedback bekomme ich wohl nicht zustande, höchstens ein unkritisches. Ich hatte den Text trotz Funkstille schon beim ersten Anlauf gelesen und konnte lediglich verständnisvoll zustimmen. Die einzige Frage, die sich mir stellt, weil ich die frühere Epoche einfach nicht erlebt habe, ist: Was genau ist dieser Hochschulspezifische Charakter, der verloren gegangen ist?

Ich habe erstmalig beim letzten Treffen ein vages Gefühl dafür bekommen, nachdem ich von der K23-Historie erfahren hatte. Schwer zu konkretisieren, was genau es ausmacht: Ein gewisses Bewusstsein für die Situation, durchdachtes, zielstrebiges Handeln, ein Streben nach dem Besseren auf der ständigen Suche danach, was das Bessere überhaupt ist...

Jetzt, wo ich schon über ein Jahr an einer verschulten Universität verbracht habe, kann ich zumindest mit dem Adjektiv was anfangen. Die Lehre ist mechanisch, vorhersehbar, wo nicht (stets wegen schlechter Didaktik) überfordernd recht anspruchslos und vor allem wird zu keinem Zeitpunkt auch nur am Rande auf die Möglichkeit hingewiesen sich zu fragen, was das überhaupt soll, warum das interessant und nicht nur nützlich ist, und wohin es führen mag, wenn man das Grundlagenwissen erst einmal beherrscht, welche Fragen eigentlich noch offen sind auf dem jeweiligen Gebiet, mit denen man sich beschäftigen wollen würde. Das mag näher am Forschungsumfeld sicher anders aussehen, aber mit Bildung ist es für den regulären Studenten nicht weit her. Wir sind dort alle nur Schüler...

Freitag, 6. November 2015 11:33
...vielen Dank für den Text, der zentrale Punkte der gesamten Verfassung unserer demokratischen Instanzen betrifft. Die Pseudo-Verwirtschaftlichung und ein Normalisierungs- wie Konsensdiskurs schließen die Räume für Differentes und den Dissens ebenso wie für besondere Qualitäten (die ja eben meist kontrovers oder polarisierend sind)...

Mittwoch, 11. November 2015 19:50
...Ich danke dir, dass ich zu denjenigen gehöre, an die du dich vielleicht positiv erinnerst.
Ich jedenfalls verdanke dir sehr viel. Du bist ein guter Lehrer und Freund immer noch und ich vermisse sehr oft deine anregenden Gespräche. Das mag nun etwas schwülstig klingen, aber ich meine es wirklich so. Du hast einen Anteil an meiner künstlerischen Entwicklung und vieles, was mir heute selbstverständlich erscheint, kommt auch von dir. Nun stehe ich noch mindestens 10 Jahre in Hochschuldiensten bevor es mir so ergeht wie dir...

Samstag, 14. November 2015 11:26
...Was Du über die Enwicklungen an der HfBK schreibst gilt letztlich ähnlich auch für die Universitäten. Leider muss man zugeben, dass wir Professoren uns insgesamt zu wenig eingemischt haben, obwohl viele Kollegen Bedenken gegen die neuen Studiengänge und die Verschulung des Studiums hatten...

Sonntag, 15. November 2015 21:52
...So habe ich die Wirkung deiner Rede dort nur indirekt wahrnehmen können: sie hat wohl gewirkt - einige Leute waren auch etwas angefasst. Und das ist gut so! (Cit. nach Wowereit)...

Montag, 23. November 2015 14:11
Betreff:
...Deine Rede...macht die Runde, lieber Michael ...es ist vieles richtig, was Du sagst, auch wenn ich die Entwicklung fast nur noch von außen betrachten kann...danke und herzliche Grüße...
Ps: anbei die Reaktion von ... auf Deine Rede:
...michaels rede trifft ins schwarze,will sagen ins schwärzeste. ich bedanke mich ausdrücklich für die beschreibung der hbk bei ihm und bin durchaus beschämt, daß weder ...noch ... noch wir uns so klar geäußert haben - bitte, leite meine zustimmung an ihn weiter - ich habe mich nicht aus prinzip vom sogenannten diskurs ferngehalten, aber, weil ich dem dazu nötigen abstraktionsdruck nicht gewachsen bin, auch aus faulheit - und dem sehr tief wurzelnden gefühl persönlicher machtlosigkeit... just finde ich in ernst jüngers Waldgang eine bemerkung, (1951/53) die ohne abstriche auf den gegenwärtigen stand der entwicklung zutrifft. ich setze die kleine lesefrucht als dankesgabe her: „Der Leser wird an sich selbst erfahren haben, daß sich das Wesen der Frage verändert hat. Wir leben in Zeiten, in denen ununterbrochen fragen-stellende Mächte an uns herantreten. Und diese Mächte sind nicht nur von idealer Wißbegier erfüllt. Indem sie sich mit ihren Fragen nähern, erwarten sie von uns nicht, daß wir einen Beitrag zur objektiven Wahrheit liefern, ja nicht einmal, daß wir zur Lösung von Problemen beitragen. Sie legen nicht auf unsere Lösung, sie legen auf unsere Anwort wert. Das ist ein wichtiger Unterschied. Er nähert die Fragen dem Verhöre an.....und immer bedeutungsvoller wird die Art (Kunst?), in der wir antworten. Dabei ist zu bedenken ,daß Schweigen auch eine Antwort ist. Man fragt uns, warum wir dann und dort geschwiegen haben und stellt uns die Quittung aus. - Das sind die Zwickmühlen der Zeit, denen keiner entrinnt...“
E. Jünger DER WALDGANG; Frkf. Main 1953

Mittwoch, 25. November 2015 04:32
...ja, das hat mich sehr interessiert ... Ich als ehemalige Niemanda mit tiefen Einblicken, kann nur bestätigen, dass an der HfbK schon vor 10 Jahren alles vom Klüngel der Einverstandenen entschieden wurde - wie in...

Donnerstag, 26. November 2015 17:46…Was komisch ist, es war ein Grund von den Vielen, warum ich gerade nach Deutschland kam.Ich wollte von diesem BA/MA/Dr. Hochschulstruktur in Korea entkommen, damit ich mehr substanziell lernen könne als Titulaturen.
Ich erstaunte mich darüber, wie HfbK und viel Hochschule in Deutschland das eingeführt haben, was wir in Asien längst kritisch betrachteten und deshalb versuchen, es zu ändern. Auf ironischer Weise wird es in Deutschland seit letzten Jahren eingeführt.
Auf jeden Fall läßt dein Text mich nachdenken… und ... erinnern...
Unter vielen sozialen Rollen, um mich zu ernähren, bin ich Lehrende geworden.
Unter jungen Menschen zu sein, macht mir Freude, aber wenn ich diese Not nicht hätte, hätte ich am besten nur eine Rolle genommen, Künstler , besser gesagt, Zeichner.

Dank für den Text!

Dienstag, 5. Februar 2016 01:52
…habe deine Rede mit Schmunzeln und Frust gelesen, GUT! Dass du es mal gesagt hast!

Donnerstag, 11. Februar 2016 09:14
…Meine Gratulation! Ich habe Ihre Verabschiedungsrede lediglich aus der Ferne und im Nachhinein verfolgt. Auch bin ich Ihnen nur in einem Seminar persönlich begegnet, wenn ich mich recht erinnere war es ein Seminar zu John Cage's Veröffentlichung namens Silence.
Was ich damals aus dem Seminar unter anderem mit nahm, war Ihr starkes Plädoyer für ein Mäzenentum von Seiten der Künstler-Eltern, sofern diesen möglich…
Die Idee, von der Sie sprachen, dass es eine Entwicklung an der HfbK gegeben hatte, die vorsah, aus der eigenen Künstlerischen Praxis wiederum Theorie abzuleiten ist mir tatsächlich völlig neu und in den fünf Jahren meines Studiums keineswegs vermittelt worden. Sie gefällt mir ausgesprochen gut und ich würde sie sehr gerne kultivieren, wenn mir auch das Selbstvertrauen und die Kenntnis, wie so etwas geschehen kann, leider bisher fehlen…
Die hochschulpolitischen Zusammenhänge, vor allem einige Funktionsweisen konnten Sie in ihrem Text sehr anschaulich darstellen, eine Problematik, die denke ich von allen, die überhaupt in diesen Jahren Politik als grundsätzliche Denk-Notwendigkeit begreifen, empfunden werden kann, meist ohne jedoch zu klaren Aussagen oder gar Schlüssen zu gelangen. Ich selbst nahm diese Unmündigkeit zumeist billigend in Kauf, soll bedeuten, war mir dessen bewusst und besaß nie die Motivation irgend etwas daran zu ändern, ideenlos auch, liess mir jedoch nicht nehmen, zumeist frei meinen künstlerischen Interessen nachzugehen. Vielleicht ein etwas trauriges Bild? Ich weiß es nicht…


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